SXEU31 DWAV 301800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 30.04.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Hochdruckwetter hält zunächst noch an, kommende Nacht gebietsweise nochmal Frostgefahr. Nachfolgend wärmer, ab Samstag aus Nordwesten aber auch unbeständiger mit ersten Schauern und Gewittern. Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... geht ein sonniger, teilweise aber windiger Tag zu Ende, der die Höchstwerte von oft 15 bis 20 Grad deutlich kühler hat anfühlen lassen. Es sind die "Ausflüsse" des Hochs WINFRIED, die staubtrockene Kontinentalluft mit der kräftigen Ostströmung in den Süden und Westen Deutschlands verfrachtet hat. Die relative Feuchte lag heute Nachmittag vielerorts nur bei 20 bis 30%, ein Traum für jeden mit einem großen Wäscheberg zum Trocknen mitsamt Handtüchern, Gardinen und Bettwäsche. Der gute WINDFRIED erstreckt sich von Nordwest nach Südost vom Skagerrak über Norddeutschland und Polen hinweg bis zum Balkan. Im Verbund mit einer flachen Tiefdruckrinne über Zentralfrankreich kommt es zu dieser leicht ruppigen Bisenlage, wobei die Böigkeit vielerorts in den Abendstunden immer mehr nachlässt. Windig, exponiert stürmisch bleibt es längere Zeit vor allem noch auf den Gipfeln des Schwarzwalds. Gestützt wird das Hoch durch eine kräftige Antizyklone über der Nordsee, die im Westen etwas unorganisiert von mehreren kleinen Höhentiefs (Raum Bordeaux, unweit der Azoren sowie südwestlich von Irland), im Osten von einem massiven Höhentrog über Osteuropa bis zur Adria reichend, flankiert wird. Somit ergibt sich ein stabiles Omegamuster. An der Ostflanke des Hochs wurde die Kaltluftzufuhr längst gekappt und über die Ostsee gelangt mildere, aber nur unwesentlich feuchtere Luft in den Osten Deutschlands. Dort, wo es tagsüber einzelne flache Quellwolken gab, ist innerhalb der windschwachen Divergenzachse örtlich ein flaches Nebelfeld nicht ganz ausgeschlossen. Nennenswerte Beiträge an WLA verbleiben weiter östlich auf polnischer Seite. Meist verläuft die Nacht also landesweit sternenklar. Während die unfassbar tiefen Taupunkte (für die Vegetation glücklicherweise) ihr volles Potential bei -5 bis -10 Grad aktuell im Süden und Westen aufgrund des zwar nachlassenden, aber noch leichten bis mäßigen Ostwinds nicht voll entfalten können bei Tmin von 8 bis 2 Grad, herrscht vor allem am Alpenrand, von der Lüneburger Heide bis in die Lausitz sowie in Tallagen der östlichen Mittelgebirge nochmals erhöhte Frostgefahr. Der Höhepunkt mit -5 Grad und tiefer wie in der vergangenen Nacht (Sohland/Spree, Dippoldiswalde) ist aber überschritten. Meist spielt es sich zwischen 0 und -2 Grad ab. Freitag ... steht einem sonnigen und im Westen nun auch sommerlich warmen Maifeiertag nichts im Wege. Der Trogvorstoß über dem Nordmeer setzt sich fort, gleichzeitig nähert sich der Höhentiefkomplex über dem Ostatlantik tendenziell dem Festland bzw. den Britischen Inseln an, während der Osteuropatrog quasistationär bleibt. Insgesamt verschiebt sich der Omega-Block dadurch ein wenig nach Osten und beginnt leicht zu kippen; die Höhenantizyklone wird abgebaut und weicht einem breiten Rücken, dessen Schwerpunkt sich aber nach wie vor ziemlich genau über dem Vorhersagegebiet befindet. Unser Bodenhoch "WINFRIED" nimmt nun eine zunehmend meridionale Ausrichtung an, dessen Divergenzachse kommt tendenziell ein wenig nach Osten voran, was über dem Vorhersagegebiet den Weg frei macht für niedertroposphärisch wärmere Luft von Süden her. Bis zum Abend steigt die Temperatur in 850 hPa in der Westhälfte verbreitet auf etwa 10 Grad, im Südosten/Osten auf 6 bis 9 Grad. Bodennah dauert die Advektion trockener Festlandsluft weiter an, wobei die PPWs und die Taupunkte mit Winddrehung auf Südost bis Ost doch schon ein klein wenig ansteigen (PPW: 8 bis 13 mm). Somit scheint nahezu landesweit die Sonne von einem nahezu wolkenlosen Himmel. Mit der beginnenden Advektion wärmerer Luftmassen aus Südosteuropa wird es nun teilweise deutlich wärmer als am Vortag; entlang und westlich des Rheins, im Münsterland und im Weser-Ems-Gebiet reicht es recht verbreitet für den (dort) ersten Sommertag des Jahres, am Niederrhein werden Höchstwerte nahe 27 Grad erreicht. Auch sonst werden die 20 Grad verbreitet überschritten, lediglich in mittleren Höhenlagen sowie an den Küsten bleibt es teilweise etwas frischer. Der Wind frischt mit dem Tagesgang vor allem im Südwesten und Westen böig aus Südost auf. In höheren Lagen kann es durchaus noch einmal für steife Böen reichen, ehe er spätnachmittags/abends rasch wieder abnimmt. Für die Ausgabe einer Warnung wird das voraussichtlich nicht - da zu vereinzelt reichen. In der Nacht zum Samstag kann sich das Höhentiefkonglomerat über dem nahen Ostatlantik besser organisieren und greift Samstagfrüh als Randtrog auf Irland bzw. auf den Nordwesten der Iberischen Halbinsel über. Unser Höhenrücken wird dadurch weiter abgebaut und etwas nach Ostsüdosten gedrückt, bleibt aber robust und dessen Achse reicht morgens vom westlichen Mittelmeerraum über den Süden und Osten des Vorhersagegebietes bis zur südlichen Ostsee. Somit dreht die Höhenströmung über West- und Nordwestdeutschland langsam auf Südwest, ein erster, flacher kurzwelliger Troganteil verlagert sich nachts von Zentralfrankreich zu den Niederlanden. Unser Bodenhoch hat sich mit seinem Schwerpunkt derweil nach Südosteuropa zurückgezogen, bleibt aber für den Großteil des Landes mit bodennah trockenen Luftmassen wetterbestimmend. Lediglich in den Westen gelangt vorderseitig einer schwachen Kaltfront, die im Laufe der Nacht von den Britischen Inseln auf die Nordsee übergreift, etwas feuchtere und wolkenreichere Luft, es bleibt aber, mit Ausnahme von schwachen Schauern bzw. einigen Regentropfen an der Grenze zu Belgien bzw. zu den Niederlanden, noch trocken. Ansonsten ist der Himmel erneut allgemein klar. Die Nacht fällt noch etwas milder aus als die Vornacht, eventuell reicht es in der Lausitz, in den Erzgebirgstälern sowie an den Alpen nochmals in ungünstigen Lagen für Werte nahe 0 Grad. Im Westen und Nordwesten bleibt die Nacht dagegen mit Minima zwischen 13 und 8 Grad schon recht mild. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC Samstag ... allmähliche Umstellung der Großwetterlage und im Westen und Nordwesten im Tagesverlauf erste Schauer und Gewitter. Angesichts noch vergleichsweise moderater Luftmasseneigenschaften und limitierter(m) Scherung/Antrieb mehrheitlich markant, nicht unwetterartig. Von der Ostsee bis zum Bodensee und den Alpen außer ein paar hohen Wolkenfeldern im Tagesverlauf weiterhin sonnig und trocken. Dazu landesweit sommerlich warm bei 25 bis 29 Grad, ganz im Nordwesten eventuell etwas kühler. Dabei mit den 12 UTC Läufen keine nennenswerten Änderungen gegenüber der Frühübersicht. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Bis einschließlich Samstag fahren die Modelle einen einheitlichen Kurs. Ab der Nacht zum Sonntag werden die Differenzen allmählich größer, insbesondere, was die schleifende Front über Nordwestdeutschland bzw. die südliche Nordsee sowie die präfrontalen Konvektionsschwerpunkte angeht. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Robert Hausen