SXEU31 DWAV 231800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 23.04.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Weitgehend ruhige Hochdrucklage mit Hochnebel im Norden. Am Samstag im Norden Durchgang einer wenig aktiven Kaltfront mit starkem Wind. Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... dominiert ein breiter Höhenkeil das Wettergeschehen, der sich vom Nordwesten Afrikas über Westeuropa, Island und den Süden Grönlands hinweg bis zur Labradorsee erstreckt. Sein Gegenspieler ist ein Langwellentrog über Osteuropa. Im Bodendruckfeld finden wir eine langgestreckte Hochdruckzone, die im Nordwesten ebenso bis Grönland reicht, ihren Schwerpunkt bei den Shetland-Inseln (Uli) besitzt und bis zu den Alpen reicht. Die Divergenzachse verläuft dabei über dem Südwesten Deutschlands. Tiefdruckeinfluss herrscht dagegen im Nordosten und Osten Europas. Insbesondere in der östlichen Nordsee und über der Kimbrischen Halbinsel ist dabei der Druckgradient etwas stärker ausgeprägt, so dass der Wind im Bereich der Nordsee etwas stärker aus Nordwest weht. Vor allem vom Jadebusen bis hoch nach Sylt muss dabei mit steifen Böen gerechnet werden. Ansonsten weht der Wind vor allem im nördlichen und östlichen Bergland auch recht böig. Im Flachland weht er meist mäßig aus Nordwest, im Südwesten aus Nordost. Mit dem nordwestlichen Wind ist eine Luftmasse polaren Ursprungs zu uns geflossen, die sich aber hier hierzulande stark erwärmt hat und die unter starkem Absinken abgetrocknet ist, so dass sie sich in eine erwärmte Kontinentalluft polaren Ursprungs (CPs, meist 4 bis 8°C in 850 hPa) umgewandelt hat. Das mit der Trockenheit hat aber seine Grenzen: Bodennah ist nämlich unterhalb einer bei etwas 950 hPa liegenden Absinkinversion feuchte Luft von der Nordsee in den Nordwesten gesickert, in der sich heute der Hochnebel nur sehr zögerlich aufgelöst hat. Zwischen Bremen und Hamburg konnte sich der Hochnebel, genährt durch feuchte Nordseeluft, bis zum Abend halten und die Temperatur erreichten nur 10°C. In den meisten Landesteilen gab es allerdings von wenigen Wölkchen abgesehen strahlenden Sonnenschein. Der Blick auf die Karte der Taupunkte ist aber aufschlussreich: Dabei haben sich von Norden her bis zur nördlichen Mitte Taupunkte von teils über 5°C durchgesetzt, über der Mitte gibt es aber teils scharfe Gradienten hin zu Taupunkten, die allgemein unter 0°C liegen, im Bergland vielfach sogar unter -5°C. In der Nacht zum Freitag tut sich bei der Großwetterlage nicht viel. Der Gradient im Norden fächert etwas auf, so dass sich der Wind an der Nordsee im Nachtverlauf etwas abschwächt und die Windwarnungen im Laufe der Nacht auslaufen können. In den übrigen Landesteilen schwächt sich der Wind auch tagesgangsbedingt etwas ab und schläft vor allem über der Südhälfte ziemlich ein. In der Strahlungsnacht geht die Temperatur wieder deutlich zurück. In den oben erwähnten Regionen von der nördlichen Mitte bis in den Norden, wo sich unterhalb der Inversion die Taupunkte um oder über 5°C eingestellt haben, dürfte sich recht ausgedehnter Hochnebel bilden. Im Übergangsbereich, wo die feuchte Luft erst langsam eingesickert ist und die Absinkinversion heute tagsüber weggebrutzelt wurde, kann sich teils auch flacher Nebel bilden. Entsprechende Nebelwarnungen werden dann im Laufe der Nacht durchaus wahrscheinlich. In großen Teilen des Südens und in den höheren Mittelgebirgslagen bleibt es dagegen nebelfrei und bis zum Morgen klar. Hier kann allerdings die Temperatur ungebremst wieder bis in den Frostbereich rauschen, so dass es in weiten Regionen leichten Frost bis etwa -3°C geben kann. Mit Frost in Bodennähe muss fast in der gesamten Südhälfte gerechnet werden. Deutlich milder bleibt es dagegen unter dem Hochnebel im Norden. Ganz im Norden, wo dieser sich als erstes bildet und ausbreitet liegen die Tiefstwerte bei 7 bis 5°C. Am Freitag ... schwächt sich das Hoch in seinem Südteil ab, so dass auch über Deutschland der Druck langsam fällt. Der Schwerpunkt des Hochs Uli zieht sich dann nach Grönland zurück. Seine Divergenzachse bleibt aber nach wie vor über dem Südwesten Deutschlands liegen. Auch die Lage des Höhenrückens über Westeuropa ändert sich nur wenig, der Rücken wird aber insgesamt etwas schmaler, da an seiner östlichen Flanke Geopotential abgebaut wird und aus der Ostgrönlandsee Kaltluft Richtung Nordmeer vorstößt. Der Wind kommt weiterhin aus Nordwest, im Südwesten aus Nord, und frischt im Tagesverlauf wieder leicht auf. Insbesondere an der Küste Nordfrieslands und Dithmarschens frischt er wieder stärker auf, so dass dort tagsüber wohl noch einmal eine Warnung vor steifen Böen nötig wird. Hier kommt es zu wieder zu einer leichten Verstärkung des Gradienten, was wahrscheinlich thermische Effekte hat (stärkere Erwärmung des Landes tagsüber). Dagegen spricht aber, dass sich das Land morgen gar nicht so stark erwärmen soll. Ein leichter Anstieg der Inversionsuntergrenze auf meist etwa 940 bis 900 hPa erschwert es im Vergleich zu heute, den Hochnebel aufzulösen, so dass wahrscheinlich bis in den Nachmittag hinein im Nordwesten, Norden und Osten ausgedehnte Stratus und Stratocumulusfelder zu finden sein werden. Teils können aber auch im Norden die Wolken stärker auflockern. In der Südhälfte erwartet uns dagegen wieder strahlender Sonnenschein. Unter den Wolken werden es morgen im Norden wohl nur so etwa 12 bis 13°C, unmittelbar an der Nordsee wohl wie heute nur um 10°C. Bei etwas mehr Sonne können es auch im Norden 16 oder 17°C werden. In der gesamten Südwesthälfte sind dagegen wieder 18 bis 24°C zu erwarten, mit den höchsten Werten am Oberrhein. Das bedeutet, dass gerade in den Niederungen teils ein Tagesgang von mehr als 20 K zu erwarten ist. In der Nacht zum Samstag setzt sich der Geopotentialabbau im Norden Europas rasch fort und Kaltluft überflutet Skandinavien. Damit verbunden ist ein markantes Bodentief, das über den Bottnischen Meerbusen nach Finnland zieht. Über unserem Land fällt der Druck auch noch etwas, allerdings nimmt in der gesamten Nordosthälfte der Gradient aufgrund der genannten Entwicklung deutlich zu. Folglich frischt der Wind an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins und an der Ostsee im Nachtverlauf deutlich auf, so dass dort verbreitet steife Böen auftreten können, in nordwestexponierten Küstenlagen auch stürmische Böen. Auch im nordöstlichen Binnenland nimmt der nordwestliche Wind spürbar zu. Im Südwesten bleibt es im Bereich der Achse des Hochs noch schwachwindig. Der auffrischende Wind drückt auch die tiefen Wolken wieder weiter in die Landesmitte und die östlichen Landesteile, so dass es dort in den Nachtstunden vielfach bedeckt sein wird. Niederschläge werden aber nicht erwartet. Über dem Süden ist der Himmel dagegen weiterhin klar, vielleicht ziehen ein paar Cirren über den Himmel. Allerdings drückt die etwas feuchtere Luft auch weiter in den Süden hinein, so dass insbesondere in der noch windarmen südlichen Mitte und nach Westen zu auch wieder Nebel entstehen kann. Bei insgesamt etwas angestiegenem Temperaturniveau wird Frost bis -2°C vor allem noch in den Mittelgebirgen und im höheren Alpenvorland erwartet, in den Niederungen bleibt es meist frostfrei. In Bodennähe muss in den klaren Regionen aber wieder vielfach mit leichtem Frost gerechnet werden. Unter den Wolken im Norden und Nordosten bleibt es mit 7 bis 3°C deutlich milder. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC Der Samstag ... wurde in der Frühübersicht hinreichend beschrieben. Neue Erkenntnisse liegen nicht vor. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die vorliegenden Modelle simulieren die Wetterlage bezüglich sämtlicher Parameter mit großer Übereinstimmung. IFS zeigt bisweilen (z.B. morgen zwischen 6 und 12 UTC) etwas Niederschlag, der aber sehr wahrscheinlich auf den bekannten Modellfehler zurückzuführen ist und nicht realistisch erscheint. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl.-Met. Peter Hartmann