SXEU31 DWAV 111800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 11.04.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: "Zweite" Riege vom FCB auf windigen (wortwörtlich) Kiez in Hamburg - 0:1 nach 10 Minuten. Und das Wetter? - Von Westen her zyklonaler mit Regenfällen und einzelnen Gewittern. Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... signalisiert fallender Luftdruck bei uns, dass irgendwas im Busche ist. Und richtig, der bisher bestimmende Zwischenhocheinfluss beginnt zu zerfließen, der überlagerte Potenzialrücken langsam ostwärts abzuwandern. Damit wird der Weg frei für das Frontensystem eines hochgradig ästhetischen Tiefdruckwirbels (TAMINA) - Leute, schaut euch die Satellitenbilder an, was für einen Frau -, der mit einem Kerndruck nahe 970 hPa knapp westlich der Hebriden seine Kreise dreht. An der großräumigen Wolkenkonfiguration rund ums Tief zeigt sich einmal mehr, dass Meteorologie nicht nur ein rein wissenschaftlich aufgezogene Materie ist, sondern in natura auch wunderschöne künstlerische Aspekte zu bieten hat. Keine Wünsche offen lässt auch das angesprochene Frontensystem, das neben den üblichen Kandidaten Warm-, Kaltfront, Okklusion auch noch eine in den Warmsektor hineinreichende Konvergenz zu bieten hat. Das ist insofern nicht ganz unwichtig, als dass ja heute eine Portion leidlich labil geschichteter Warmluft in den Süden und Westen gepumpt wurde, die nun auch noch ordentlich angefeuchtet wird (PPW bis zu 25 mm). Mit Hilfe der Einstrahlung wurde tagsüber etwas CAPE generiert, die mit Eintreffen der Konvergenz in die einzelne Überentwicklungen transformiert werden kann bzw. das schon konnte (NW-Schweiz/Grenze zu Südbaden). Allerdings ist fraglich, ob die Konvergenz (Ost-Südost vs. West-Nordwest) auch heute Abend noch ausreicht, die notwendigen Hebungsimpulse zu liefern. Immerhin ist die Mischungsschicht inzwischen etwas abgehoben, so dass der reine Impuls von unten nicht zwingend genügt. Aber wozu gibt es topografische Anomalien, sprich Mittelgebirge? Und auch die diffluente Vorderseite des von Westen langsam vorankommenden Potenzialtrogs könnte einen kleinen, aber vielleicht entscheidenden Beitrag leisten. Wenn es rumst, dann am ehesten in BaWü und später auch noch in Teilen Bayerns (Favorit Schwaben + Unter-/Mittelfranken). Aber auch RP/Saarland und NRW bis hinüber nach Hessen sind nicht ganz raus aus der Nummer, dann weniger an der dort kaum ausgeprägten Konvergenz als vielmehr direkt vor der Kaltfront. Scherung ist ausreichend vorhanden, trotzdem dürften die Gewitter in der Basis eher gelb und nur in Einzelfällen markant ausfallen (Böen bis 8 Bft, kleiner Hagel, mit geringer Wahrscheinlichkeit Starkregen). Was hätten wir sonst noch auf dem Einkaufszettel - Klar, der frontale Regen, der sich bis in die östlichen Landesteile vorarbeitet und vor allem rund um Schwarzwald und Schwäbische Alb ordentlich abliefert. 10 bis 15, lokal 20 l/m² innert 12 Stunden inkl. eines lokal eng begrenzten Starkregenereignis wären keine Überraschung, weil erstens auch hier die Orografie ihre Finger im Spiel hat, konvektive Einlagerungen gegeben sind und zudem die teilokkludierte Kaltfront ins Straucheln, meint, ins Schleifen respektive Wellen kommt. Grund dafür ist nicht die Verspätung eines vorausfahrenden Zuges, wie es immer so schön oder eigentlich weniger schön auf deutschen Bahnhöfen heißt, sondern Druckfall im und um das westliche Mittelmeer herum. Ansonsten liegen die Gesamtmengen in den meisten Fällen unter der 5-l/m²-Schwelle. Trocken bleibt es zwischen Ostsachsen und Vorpommern und auch im Westen trocknet es in der postfrontal einfließenden subpolaren Meeresluft noch vor Mitternacht beginnend wieder ab. Bliebe in der gänzlich luftfrostfreien Nacht (ganz im Osten lokal Bodenfrost) nur noch der Wind, der präfrontal sowie an einer postfrontalen Druckanstiegswelle insbesondere im Westen und Nordwesten mesit nur für kurze Zeit böig auffrischt (7 Bft, Nordsee bis 8 Bft) und von Südost auf West bis Nordwest dreht. Sonntag ... zieht das Sturmtief dicht an Schottland vorbei in Richtung Färöers, wobei sich die Vertikalachse zusehend in die Senkrechte aufrichtet und der Kerndruck entsprechend steigt. Wichtiger für uns ist die Tatsache, dass die Okklusion in ihrem Nordteil bis fast an Oder und Neiße vorankommt, aber eben auch nur fast. Dort wird sie nämlich von gleich mehreren Systemen an ihrer Progression gehindert: das blocking high über NO-Europa (QURIN), der gerade ausgewanderte Rücken über Polen sowie ein quasistationäres Höhentief im Raum Ukraine/Belarus. Hinzu kommt rückseitiger bzw. die Front überlaufender Druckanstieg, was am Ende zu viel für das gute Stück ist. Sie schwächt sich ab (Gleiches gilt für den frontale Regen, der voraussichtlich ebenfalls noch vor der Grenze halt macht) und löst sich schlussendlich auf, so dass sie spätestens in der Nachtanalyse nicht mehr auf der Karte zu finden sein wird. In der rückseitig einfließenden subpolaren Meeresluft (mPs; T850 um 0°C) trocknet es ab und vor allem im Westen und Nordwesten scheint abgesehen von einigen Cirren und Kumulanten, die sich aus der labilen, bis 900/850 hPa hinaufreichenden Absinkinversion entwickeln, die Sonne. Ganz anders die Lage im Süden und Südwesten, wo die Front mitnichten die Grätsche macht, sondern deutlich zurückhängt und in die Warmfront eines Tiefdrucksystems über Nordafrika bzw. dem westlichen Mittelmeer übergeht. Vor allem vom Schwarzwald bis hoch nach Oberfranken und vielleicht auch zur Oberpfalz (noch Modellunschärfen) regnet es anfangs noch, bevor sich zum Nachmittag vorübergehend Abschwächungstendenzen, aber kein vollständiges Versiegen erkennen lassen. In der südöstlich lagernden Warmluft (T850 5 bis 8°C) scheint mitunter die Sonne zwischen den Wolken. Konvektive Erscheinungen halten sich dort mangels ausreichend Labilität in Grenzen (einzelne Schauer vielleicht ja, Gewitter eher nein). Höchsttemperatur bei längerem Regen lediglich um 10, sonst 12 bis 17°C, im Südostzipfel Oberbayerns punktuell etwas darüber. In der Nacht zum Montag zieht das südliche Haupttief in Richtung Sardinien, während TAMIRA einen Nordkurs am Westrand der Norwegischen See einschlägt. Zwischen den Tiefs tut sich eine schwache Brücke auf, die das Hoch über NO-Europa mit dem Azorenhoch verbindet. Damit wird der Okklusion im Osten endgültig der Stecker gezogen, wohingegen die Warmfront im Süden erhalten bleibt. Sie schwenkt ganz langsam west-nordwestwärts und wird dabei zeitweise aktiviert. Es kommt zu weiteren Regenfällen, insbesondere im Südwesten und Teilen der Mitte, abgeschwächt aber auch nochmal im Osten. Gänzlich trocken bleibt es im gesamten Nordwesten, weitgehend trocken zwischen Oberschwaben und Nieder-/Oberbayern. Allerdings simuliert IFS für die erste Nachthälfte nun schon mehrfach noch konvektive, nicht zwingend elektrische Umlagerungen auf der warmen Seite der Front, im letzten Lauf über Niederbayern. Das Spielchen spielen die meisten anderen Modelle nicht mit, so dass über dem Ganzen noch ein Fragezeichen schwebt. Weniger fraglich ist, dass die Nacht frostfrei über die Bühne geht und der Wind in weiten Teilen den Schlaf des Gerechten schläft. Im Südosten kann sich Nebel bilden. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC Montag ... belassen wir es an dieser Stelle bei den Ausführungen der heutigen und/oder verweisen auf die morgige Frühübersicht - wieder von einem "mann", aber streiche Hoff und setze Hart. Alles klar? Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Viel Substanzielles gibt es an dieser Stelle nicht hinzuzufügen. Das grundlegende Geschehen ist numerisch ausreichend abgedeckt. Unschärfen ergeben sich z.B. noch in Bezug auf Intensität und genauer räumlicher Verteilung der Regenfälle, warnrelevant ist das aber nicht. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann