SXEU31 DWAV 121800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 12.02.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Im Süden abnehmender Wind und Sturm, nachlassende Regenfälle und Ende der Dauerregen- und Tauwetterlage. Von Norden wieder kälter und allmählich nach Süden vorankommende Schneefälle. Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... liegt die Frontalzone weiterhin weit südlich über der Iberischen Halbinsel und dem Mittelmeerraum. Bodennah hat sich eine südliche Westlage eingestellt, was bedeutet, dass sich die Tiefs auf recht südlicher Zugbahn ostwärts bewegen. Aktuell gibt es sehr viele dieser Tiefs, so dass über weiten Teilen Europas sehr niedriger Luftdruck herrscht. Um etwa die 1013er Isobare zu erreichen, müsste man derzeit zum Ural oder nach Andalusien reisen. Wetterbestimmend bei uns sind die Tiefs Ulrike I (auch als Nils bekannt), das am Abend über Ostdeutschland liegt, und Tamara über Irland. Diese sind rinnenartig miteinander verbunden und in diese Rinne ist auch eine Luftmassengrenze eingelagert, die die arktische Luftmasse (xA) über Skandinavien von einer erwärmten Polarluft (mPs) trennt, der derzeit auf der Rückseite von Ulrike I von Westen in unser Land einfließt. Dementsprechend herrscht über Deutschland ein markantes Temperaturgefälle, wobei in 850 hPa über dem äußersten Norden -4°C registriert werden, südlich der Luftmassengrenze meist 0 bis +3°C. Bodennah liegen wir heute am frühen Abend ganz im Norden im Frostbereich, im Süden liegen die Werte dagegen allgemein über 5°C. Bei so viel Tiefdrucktätigkeit sind natürlich auch Niederschläge zu erwarten: Im gesamten Norden kommt es im Umfeld der Luftmassengrenze zu stratiformen Niederschlägen, die in Schleswig-Holstein und im Norden Mecklenburg-Vorpommerns als Schnee fallen, der meist auch liegen bleibt, so dass sich eine wenige Zentimeter dicke Neuschneedecke bilden kann. Insbesondere von Kiel rüber über Fehmarn und später von Rostock die Küste ostwärts bis Nordvorpommern können etwas stärkere Schneefälle auch mal um oder etwas über 5 cm Neuschnee in wenigen Stunden bringen. Auch weiter südlich kommt es zu Niederschlägen, dort überall als Regen. Weiter östlich ist mit dem Bodentief noch ein Höhentrog verbunden, hier sorgt Hebung für ein stratiformes Regengebiet. Weiter westlich sorgt ein weiterer Kurzwellentrog in etwas labilerer Luft für zahlreiche Schauer und schauerartige Regenfälle. Kommen wir zuletzt noch zum Wind: Vor allem an der Südflanke von Tief Ulrike II ist der Druckgradient recht kräftig, so dass es dort bei westlichem Wind verbreitet zu steifen bis stürmischen Böen kommt, im Bergland und höheren Alpenvorland zu Sturmböen und auf exponierten Gipfeln zu schweren Sturmböen bis orkanartigen Böen. An der Nordflanke der Rinne weht der Wind dagegen recht frisch aus Nordost, so dass es einigen exponierten Abschnitten der Ostseeküste zu steifen Böen kommt. In der Nacht zum Freitag zieht Tief Ulrike I nach Polen ab, während Tamara über Irland ein wenig südwärts zieht, sich aber deutlich abschwächt. Da hier aber ein markanter Kurzwellentrog von Norden her hereinläuft, der Tamara überläuft, entsteht südlich des Tiefs ein neues im Bereich der Bretagne, das den Namen Viviana (international Oriana) erhält. Unsere Luftmassengrenze kommt an der Westflanke von Ulrike nur wenig südwärts voran, weil an der Front selbst nochmal ein kleines Wellentief von den Niederlanden nach Niedersachsen hereinzieht. Die Luftmassengrenze wird dabei zunehmend schärfer und liegt am Morgen auf einer Linie vom Emsland zur Oberlausitz. Schnee fällt insbesondere noch in Mecklenburg-Vorpommern, dieser zieht aber allmählich nach Polen ab. Insbesondere in Vorpommern können aber noch einmal stellenweise etwas über 5 cm zusammenkommen. Recht flächendeckend sollte sich dort zumindest eine dünne Schneedecke bilden. Ansonsten fällt an der Nordkante der Luftmassengrenze im Verlauf der Nacht vom westlichen Niedersachsen bis Hannover hinüber im Nachtverlauf zunehmend Schnee, hier können sich dann auch wenige Zentimeter akkumulieren. Im Süden kommt es weiterhin zu Regenfällen, die aber von der Ausdehnung her abnehmen, so dass meist nur noch wenige Millimeter zusammenkommen. Lediglich an den Mittelgebirgen staut es noch gut an, so dass dort noch einmal 5 bis 15 mm Regen fallen können. Somit können die dort ausgegebenen Regen- und Tauwetterwarnungen erst einmal weiter bestehen bleiben und dann wie geplant in der Nacht oder morgen auslaufen. Nun noch zum Wind: Mit dem Abzug des Tiefs Ulrike I nach Osten nimmt der Wind im Süden rasch ab. Vor allem im Bergland kommt es in den Nachtstunden noch zu starken bis stürmischen Böen, auf exponierten Bergen noch zu Sturmböen oder schweren Sturmböen, alles mit abnehmender Tendenz. Im Norden nimmt der Nordostwind von West nach Ost ab. An der Küste Rügens kann es dabei bis morgen früh noch einzelne steife Böen geben. Die Temperaturen sinken nördlich der Luftmassengrenze auf +1 bis -2°C, südlich davon bleibt es deutlich milder, mit Tiefstwerten über 5°C vor allem im Südwesten. Am Freitag ... schwenkt ein Randtrog Richtung Frankreich, Iberische Halbinsel und westliches Mittelmeer. Darin eingebettet erreicht der oben erwähnte kurzwellige Troganteil bis zum Abend den Westausgang des Ärmelkanals bzw. die Bretagne. Somit stellt sich über dem Vorhersagegebiet eine leicht flatternde westliche Höhenströmung ein. Tief Ulrike I zieht weiter Richtung Baltikum, während sich Tief Viviana unter Verstärkung bis nach Zentralfrankreich verlagert. Über der Iberischen Halbinsel wird eine weitere Zyklogenese initiiert, die in einem weiteren Tief resultiert, das am Abend über dem Löwengolf zu finden ist. Somit kann nun auch die Tiefdruckrinne über dem Vorhersagegebiet langsam weiter nach Süden vorankommen, füllt sich aber langsam auf und erreicht am Abend noch die südliche Mitte (etwa Saarland-Main-Erzgebirge). Rückseitig folgt die Kaltluft aus Nordeuropa mit -3 bis -8°C in 850 hPa, während über Süddeutschland die 850-hPa-Temperatur vorderseitig des nach Frankreich ziehenden Tiefs wieder auf knapp über 0°C steigt. Zwischen dem abziehenden Tief über dem Baltikum und dem sich nähernden Tief über Frankreich verliert die Luftmassengrenze vorübergehend an Wetteraktivität und die Niederschläge klingen weiter ab. Weiter nördlich schneit es aber weiterhin, vor allem von Niedersachsen bis nach Brandenburg. Vor allem in Teilen Niedersachsens können teils 5 bis 8 mm Niederschlag als Schnee fallen, der allerdings bei Temperaturen, die zumindest teilweise etwas über die 0°C-Marke steigen dürften, nicht komplett als Schnee liegen bleiben werden. Dennoch können teils auch im Flachland um 5 cm Neuschnee akkumulieren, im Harz und im Weserbergland auch etwas mehr. Weiter südlich kommt nicht mehr viel an Regen zusammen, so dass die letzten Dauerregenwarnungen auslaufen können. Vor allem an den Alpen und im Alpenvorland bleibt es meist trocken und dort kann sich auch zeitweise die Sonne durchsetzen, ebenso vielleicht am Nachmittag auch an der Ostsee. Der Wind flaut weiter ab und ist im Tagesverlauf auch in den Gipfellagen nicht mehr warnrelevant. Während die Höchsttemperaturen in der Nordhälfte meist Werte zwischen 0 und 3°C erreichen und auch in der Mitte im Tagesverlauf auf unter 5°C sinken, wird es vor allem südlich von Main und Mosel nochmals sehr mild mit Maxima zwischen 7 und 13°C. In der Nacht zum Samstag kommt der Kurzwellentrog über Frankreich südostwärts voran und tropft schließlich über dem Löwengolf bzw. Golf von Genua ab. Im Zuge dieses Prozesses entwickelt sich das Tief über dem Löwengolf auf seinem Weg nach Osten zu einem veritablen Sturmtief, es bleibt also bis auf Weiteres sehr unruhig im Mittelmeerraum. Das nördliche Trogresiduum kommt allmählich Richtung Vorhersagegebiet voran. Das Bodentief über Frankreich füllt sich im Zuge der Zyklogenese weiter südlich zwar langsam auf, zieht aber noch Richtung Westalpen. Somit kommt auch die Luftmassengrenze über dem Vorhersagegebiet zunächst nicht weiter nach Süden voran. An deren Nordflanke fällt in der Mitte und in der Osthälfte noch etwas Schnee, mehr als 1 bis 5 cm kommen aber kaum zusammen, im Norden und Westen bleibt es weitestgehend trocken. An der Nordflanke des zu den Westalpen ziehenden Tiefs greifen allerdings im Nachtverlauf weitere Niederschläge auf den äußersten Westen des Landes über (am ehesten Rheinland-Pfalz, Saarland, Nordbaden), die dort auch teilweise bis in tiefe Lagen als Schnee fallen. Die räumliche Verteilung und Intensität der Niederschläge sind aber noch unsicher. Ansonsten bleibt es aber im Süden und Südosten überwiegend trocken und vor allem im Südosten Bayerns auch aufgelockert, teils gering bewölkt. Dort kann sich dann örtlich Nebel bilden und auch leichten Frost geben. Verbreitet frostig wird es dagegen in der Mitte und im Norden, bei aufgelockerter Bewölkung kann es ganz im Norden auch mäßigen Frost geben. Im Südwesten bis in die südliche Mitte bleibt es dagegen frostfrei. Der Wind legt zwar mit dem in die Westalpen ziehenden Tief vor allem in der Mitte aus Nordost wieder zu, erreicht aber höchstens in einigen Gipfellagen in Böen Bft 8. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC Der Samstag ... wurde in der Frühübersicht hinreichend beschrieben. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die Modelle simulieren die synoptische Lage der ähnlich. Leichte Unterschiede tun sich noch bei der Lage und Stärke des Niederschlagsgebiets auf, das sich am Samstag formieren soll (siehe Frühübersicht). Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl.-Met. Peter Hartmann