SXEU31 DWAV 101800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 10.03.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Nach heutiger - zarter - Konvektionsouvertüre Übergang zu wechselhaftem Wetter atlantischer Prägung. Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... neigt sich der erste Tag der sogenannten "warmen" Jahreszeit, an dem es wie erwartet an mehreren Stellen die ersten konvektiven Testballons gestartet sind, so langsam dem Ende entgegen. Damit wurde - wenn man so will - nicht nur die Gewittersaison eröffnet (das eine Gewitter von gestern drücken wie hier mal nonchalant in den Skat). Gleichzeitig sind die Schauer und Gewitter der Startschuss für einen Wetterabschnitt, der von Wechselhaftigkeit mit zeitweiligen Regenfällen/Schauer, windigen bis stürmischen Phasen und vor allem zum Wochenende hin zurückgehenden Temperaturen (siehe dazu auch die Synoptische Übersicht Mittelfrist) geprägt ist. Der große und breite Potenzialrücken, der uns bisher einen verbreitet sonnenscheinreichen und trockenen März mit hohen Tagesgängen der Temperatur beschert hat, haut nun in den Sack und zieht sich immer weiter nach Osteuropa zurück, wo das korrespondierende Bodenhoch KONRAD schon längst angekommen ist. Es übernehmen atlantische Tiefdruckgebiete, die zwar nicht direkt Mitteleuropa respektive Deutschland ansteuern, die aber über ausreichend Mittel verfügen, um hier vor Ort spürbare zyklonale Impulse zu setzen. Los geht´s heute Abend mit einem sehr kurzwelligen Trog-Keil-Trog-Keil-Muster in der Höhe, das Teile von West- und Mitteleuropa überdeckt. Deutschland wird dabei in den nächsten Stunden langsam von einem Sekundärtrog (im o.e. Muster die #3 von Osten aus betrachtet) überquert. Es handelt sich um das Residuum des gestrigen Cut-Offs über dem Nordwesten der Iberischen Halbinsel. Angeführt wird das kleine Trögli von einer schwachen Kaltfront (kaum Baroklinität, eher ein diffuses Feuchteband, das mit einer Front markiert wird) eines sich auffüllenden Tiefs zwischen Jan Mayen und Spitzbergen. Die (Pseudo)Kaltfront kommt ebenfalls ostwärts voran, wobei sie sich von Süden her mehr und mehr auflöst. Front hin, Trog her, Fakt ist, dass im Vorfeld mit südwestlichem Wind etwas feuchtere und labilere Luft insbesondere in die Westhälfte eingeströmt ist (Taupunkte teils um 10°C), in der sich einzelne Schauer und überwiegend leichte Gewitter bilden konnten. In der nun bevorstehenden Nacht zum Mittwoch verlagern sich die konvektiven Elemente in die östlichen und südöstlichen Landesteile, wobei der Tagesgang für eine gewisse Abschwächung sorgt. Diese macht sich vor allem durch eine abnehmende Gewitterwahrscheinlichkeit bemerkbar. Frost und Nebel beschränken sich auf den Südosten Bayerns und das voraussichtlich aber auch nur sehr kleinräumig. Einsetzender Druckfall vor dem nächsten System, die Rede ist von Sturmtief FRITAUN nebst zugehörigem Frontensystem und begleitendem KW-Trog, sorgt für einen zunehmenden Druckgradienten, der sich zunächst aber nur in einigen exponierten Hochlagen mit Böen 7 Bft, Feldberg/SW und Brocken 8 Bft aus Südwest bemerkbar macht. Mittwoch ... gibt sich nach längerer Abstinenz mal wieder ein "echtes" Regengebiet die Ehre. Nicht nur sporadisch-konvektive Brosamen, nein, flächig und weitgehend zusammenhängender stratiformer Regen. Absender ist besagte FRITAUN, die zur Mittagszeit mit etwas unter 965 hPa knapp ost-südöstlich von Island aufschlägt. Die zugehörige Okklusion mit Kaltfrontcharakter greift gegen Mittag auf den Nordwesten über. Dicht dahinter folgt der recht scharf geschnittene, mit diffluenter Vorderseite ausgestattete KW-Trog, der über ein gut definiertes PVA-Maximum verfügt bzw. dieses generiert. Die PVA wiederum interagiert äußerst harmonisch mit der Front, woran auch die trogvorderseitige KLA nur bedingt was ändern kann. Lange Rede, tiefer Sinn, noch im Laufe des Vormittags erreicht das stratiforme Regengebiet den Westen und Nordwesten, um sich im weiteren Verlauf ostwärts vorzuarbeiten. Am Abend regnet es dann in einem Korridor, der einmal mitten über die Republik von Nordost (MV/Ostholstein) nach Südwest (BaWü) verläuft. Akkumuliert über 12 h kommen im Westen gebietsweise 5 bis 10, vereinzelt (Staulagen) bis zu 15 l/m² zusammen. In den präfrontalen Osten und Süden gelangt zuvor eine Portion labil geschichteter und leidlich angefeuchteter Subtropikluft (mPs; T850 um +3°C, T500 um -25°C). Diese wird zwar von einem kurzwelligen Keil überlagert (viertes und letztes Element des o.e. T-K-T-K-Musters), mit Hilfe der Orografie sowie zeitweiliger Einstrahlung lässt sie sich aber soweit aktivieren, dass einzelne Schauer, im Süden vielleicht sogar ein oder zwei Gewitter dabei herausspringen. Stichwort präfrontal, im Zuge weiterer Gradientverschärfung bei gleichzeitig labiler Schichtung und einem Low-level-Maximum (auf 850 hPa bis zu 45 Kt) frischt der Süd-Südwestwind mit Ausnahme des Ostens und Südostens für wenige Stunden böig auf. Steife Böen 7 Bft treten bevorzugt an der Nordsee, im Bergland inkl. deren Nordränder (Lee) sowie in Teilen des norddeutschen Tieflands auf. Exponiert sind auch einzelne stürmische Böen 8 Bft am Start, auf dem Feldberg sowie dem Brocken (schwere) Sturmböen 9-10 Bft. Bereits im Laufe des Nachmittags nimmt der Wind bereits wieder ab, wenn man mal wenige exponierte Hochlagen wie z.B. den Brocken abzieht. Thermisch geht´s im Süden und Osten nochmal hoch auf 14 bis 18°C, während sonst 11 bis 15, an der See bei auflandigem Wind teils nur 10°C oder noch etwas weniger auf der Karte stehen. In der Nacht zum Donnerstag überquert die Front den Norden und größtenteils auch die Mitte, während sie im Süden schleifend zurückhängt. Liegt daran, dass der anschiebende KW-Trog ebenfalls nach Südwesten geneigt ist und damit seinem Nordpart hinterherhinkt. Es verwundert also nicht, dass es im äußersten Süden nicht nur am längsten, sondern auch am meisten regnet. Vom Alpenrand bzw. dem südlichen Vorland bis hinüber zum Schwarzwald fallen bis zum Morgen vielfach 5 bis 10, in Staulagen gar 10 bis 20 l/m². In den Alpen sinkt die Schneefallgrenze auf etwa 1200 m. Ansonsten gilt es nur noch zu konstatieren, dass der Luftdruck in der postfrontal einströmenden subpolaren Meeresluft (mPs; T850 um -1°C) steigt und sich ein kleines Zwischenhoch aufbaut. Es trocknet ab, die Wolkendecke lockert teilweise auf, es kühlt auf unter 5°C, aber nicht in den Frostbereich ab. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC Donnerstag ... Zwischenhocheinfluss, von den Alpen bis hinüber zum Bayerischen Wald anfangs noch Tropfen oder Flocken. Später im Nordwesten merklich auffrischender, an und auf der Nordsee teils stürmischer Südwestwind. Details entweder in der heutigen oder - dann taufrisch - der morgigen "SynÜbKurz". Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die geschilderte Entwicklung wird modellübergreifend sehr ähnlich simuliert. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann