SXEU31 DWAV 231800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 23.01.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Nur ganz langsame Aufweichung der Blockade. Ab der Nacht zum Samstag bis in den Vormittag im Westen regionsweise Glatteis, später im Nordwesten in Schnee übergehend. Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... befindet sich Deutschland auf der Vorderseite der hochreichenden Zyklone LEONIE (int. Ingrid) mit Kern nahe 965 hPa dicht bei den Scilly Islands. Als Gegenspieler fungiert weiterhin das umfangreiche, von der Grönlandsee über Fennoskandien bis weit in die russisch-sibirischen Weiten sich erstreckende Hochdruckgebiet ohne Namen. Sieht nach Blockade aus, und tatsächlich sorgen das Hoch sowie die mit östlicher Strömung ausfließende Kaltluft dafür, dass es die atlantischen Systeme schwer haben, einen Fuß in die kontinentaleuropäische Tür zu bekommen. Dass es trotzdem möglich ist, haben die vergangene Nacht sowie der Freitagmorgen gezeigt, wo sich eine erste Okklusion in Westdeutschland unschön in Szene gesetzt hat (gefrierender Regen, Glatteis, zahlreiche Unfälle, leider auch mit Todesopfern). In den nächsten Tage bröckelt die Blockierung immer mehr, wobei die Einschläge nicht nur vom Atlantik, sondern auch oder soll man sagen vor allem von Süden in Form eines Vb-Tiefs kommen. Liest sich spannend, ist es auch, doch zunächst zur kommenden Nacht, die zumindest in Teilen Westdeutschlands auch wieder interessant zu werden droht. Denn die nächste Okklusion ist auf dem Weg zu uns, begleitet von einem eher unscheinbaren, nord-nordostwärts schwenkenden KW-Trog. Ein kleines PVA-Maximum sowie schwache WLA peppen den frontalen Hebungsinput etwas auf, so dass im Laufe der Nacht leichte Niederschläge auf den Westen übergreifen. Betroffen davon sind das Saarland, große Teile von NRW und RP, der Westrand Hessens sowie das südwestliche NDS. Aufgrund der vertikalen Temperaturschichtung dürfte es sich dabei überwiegend um Regen respektive Nieselregen handeln, was in den tiefen Lagen ganz im Westen aufgrund der thermischen Vorgeschichte (relativ hohe Tagestemperaturen, keine Abkühlung in den Frostbereich, kein Frost im Boden) unproblematisch ist. Diffizil bzw. problematisch wird es in den westlichen Mittelgebirgen sowie im nördlichen und östlichen NRW plus dem benachbarten NDS, wo die Tagestemperatur unterhalb der positiv temperierten Inversion z.T. gar nicht aus dem Minus gekommen ist (Stichwort "warme Nase"), wo es am Abend abkühlt (anfangs noch gering bewölkt oder klar) und zudem noch Frost im Boden steckt (teilweise bis oder sogar über 10 cm). Setzen nun Regen oder Nieselregen ein - auch bei schwacher Intensität -, besteht die Gefahr von Glatteis. Vor diesem Hintergrund wurden prophylaktisch Glättewarnungen unterschiedlicher Kategorien bis hin zu einer Vorabinformation Unwetter (nördliches NRW, südwestliches NDS) ausgegeben. Nur langsam wird die "warme Nase" durch den überwiegend schwachen Niederschlag (Hebungs- und Verdunstungsabkühlung) abgebaut, so dass ein Übergang in Schnee erst spät und/oder punktuell erfolgt - so zumindest die Theorie. In diesem Zusammenhang sei auf die auf Modellphysik basierende Wetterinterpretation von ICON-D2 hingewiesen, wie man sie z.B. bei Kachelmannwetter.com findet. Dabei wird bis morgen früh lediglich auf Rot oder Grün gesetzt (Glatteis oder normaler Regen), während der auf subjektive Bedingungen beruhende DWD-interne Algorithmus auch Schneeanteile bietet - schwierig! Während im Westen die kommende Nacht also erhöhte Hab-Acht-Stellung erfordert, blickt der große Rest der Nation auf eine weitgehend niederschlagsfreie Frostnacht, in der die Temperatur in den östlichen und südöstlichen Mittelgebirgen punktuell auf -10°C oder etwas darunter zurückgeht (strenger Frost). Während der Ost-Südostwind an der Ostsee sowie im Norden SHs durch leichte Gradientauffächerung kontinuierlich nachlässt, Bleibt er an und auf der Nordsee prominent unterwegs (Böen 7 Bft, Inseln und Halligen bis 8 Bft). Samstag ... bleibt die Hochdruckzone über Nord- und Nordosteuropa nahezu unverändert, was Tief LEONIE zwingt, nach Norden in die Keltische See abzubiegen, anstatt etwa den Ärmelkanal in Angriff zu nehmen. Derweil weitet sich der korrespondierende Höhentrog bis zum westlichen Mittelmeer aus, wo er vorübergehend abtropft und gleichzeitig eine Zyklogenese anstößt (LEONIE II). Doch zurück in unsere Gefilde, wo die inzwischen arg strapazierte Okklusion noch etwas gegen den Block in Richtung Nordwestdeutschland vorankommt. Dabei werden leichte Niederschläge induziert, die sich von NRW bis ins westliche und zentrale NDS vorarbeiten. Überwiegt anfangs noch die Regenphase, teils gefrierend mit Glatteis, so deutet sich im Tagesverlauf zunehmend der Übergang in Schnee an, weil die "warme Nase" durch die oben bereits erwähnten Mechanismen immer weiter abgebaut wird. Gut möglich also, dass vor allem im westlichen und südwestlichen NDS bis zum Abend regionsweise 1 bis 3 cm Neuschnee zusammenkommen. Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass der morgige Samstag in weiten Landesteilen relativ unspektakulär über die Bühne geht. Im Norden und Nordosten meist geschlossene Bewölkung oder zäher Hochnebel, vereinzelt mit etwas Schneegriesel, dazu leichter Dauerfrost. Sonst abseits regionaler Hochnebelfelder unterschiedlich bewölkt mit sonnigen Abschnitten, insbesondere, aber nicht ausschließlich in höheren Lagen. Dort, wo sich der Hochnebel hartnäckig hält, kann es vereinzelt etwas nieseln oder grieseln, was bei Dauerfrost Glätte zur Folge haben kann. Positive Temperaturen zwischen 1 und 7°C stehen vor allem im Westen und Südwesten, an den Alpen sowie in höheren Lagen der südöstlichen Mittelgebirge (Inversion) auf der Karte. Der Ost-Südostwind an den Küsten sowie auf See nimmt weiter ab, so dass spätestens ab Mittag wohl nur noch Helgoland in den Genuss einzelner steifer Böen 7 Bft kommen dürfte. In der Nacht zum Sonntag versucht die Okklusion oder das, was von ihr noch übrig ist, im Norden weiter gegen das blockierende Hoch anzustinken, was ihr am Ende aber immer schwerer fällt. Kurzum, ein paar Schneeflocken oder Schneegriesel ja, zu mehr wird´s nicht mehr reichen. Allmählich gilt es den Blick ohnehin Richtung Süden zu werfen, wo LEONIE II zum Ligurischen Meer zieht. Gleichzeitig wird über den Alpen Druckfall erzeugt, so dass insgesamt eine langgestreckte, vom nahen Atlantik bis zum zentralen Mittelmeerraum reichende Tiefdruckzone entsteht. Damit sind die Weichen für am Sonntag beginnende und bis in den Montag andauernde Aufgleitprozesse gestellt, die in Verbindung mit einem sich aus der Zone lösenden Vb-Tief verbreitet für Schneefall sorgen. Wie, wo, wann, wie viel, dazu herrschen noch Meinungsverschiedenheiten, die sich hoffentlich am morgigen Samstag einigermaßen glätten lassen. Bevor es aber soweit ist, verläuft die Nacht zum Sonntag vergleichsweise ruhig, teils bedeckt (Norden/Osten), teils offen (sonst), dazu verbreitet leichter bis mäßiger Frost. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC Sonntag ... Entstehungsphase einer Vb-Entwicklung mit von Süden einsetzenden und sich über die Mitte nordwärts vorarbeitenden Aufgleitniederschlägen, überwiegend als Schnee. Mehr Details in der morgigen Frühübersicht. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die grundsätzliche Entwicklung bis Sonntagfrüh ist eigentlich unstrittig. Es sind hauptsächlich die leichten Niederschläge im Westen und Nordwesten, die aufgrund ihrer z.T. nur schwer zu bestimmenden Phase sowie ihrer genauen räumlichen Exposition etwas Kopfzerbrechen machen. Prophylaktisch wurden aber deutliche Pings gesetzt und dabei eine erhöhte FAR billigend in Kauf genommen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann