SXEU31 DWAV 091800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Montag, den 09.02.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Tiefs bringen vorübergehend mildes, unbeständiges und regional teils windiges Wetter! Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... herrscht Einigkeit im IFS-EPS! Am heutigen ruhigen und warnarmen Montag dominierte noch die Wetterlage Südost antizyklonal das gesamte EPS. Der Grund lag in großräumigen und hochreichenden Drucksystemen. Dabei stand das Hoch über Osteuropa dem Tiefdruckkomplex über dem Nordatlantik und Britischen Inseln gegenüber. Als Resultat war eine recht schwache südöstliche Strömung zu verzeichnen, die mit Ausnahme des Westens komplett noch vom Hoch beeinflusst und somit antizyklonal gekrümmt war. Allerdings ging der Einfluss des Hochs nicht zwingend mit freundlichem und sonnigem Wetter einher. Das Absinken gepaart mit der doch sehr feuchten Grundschicht versorgte weite Teile des Landes mit einem grauen Schleier. In Mitteldeutschland lag die Absinkinversion sogar so tief, dass die Sichtweiten sehr reduziert daherkamen. Entsprechend gab es ab und an auch Nebelwarnungen. Ansonsten wurde im Ostseeumfeld die gelbe Farbe für geringen Schneefall oder etwas gefrierender Sprühregen ausgepackt. Aufgrund der nächtlichen Abkühlung recht verbreitet in den Frostbereich, was aber auch von der Bewölkung und potentiellen Nebelfeldern abhängig ist, wird die Glätte auf größere Teile des Landes ausgeweitet. Aufgrund der Datenlage Eingang der Nacht ist aber davon auszugehen, dass MosMix die frostigen Tiefstwerte in der Verbreitung überschätzt. Auch die Glättegefahr ist insgesamt als gering anzusehen, was sehr gut mit einer 1a-Glätte einhergeht. Spannender wird es dann ausgangs der Nacht, wenn der ruhige Wettercharakter langsam ein Ende nimmt. Dienstag ... sowie an den Folgetagen zeigt sich das IFS-EPS weiter von seiner konsistenten Seite. Von Montag auf Dienstag weist es einen kompletten Wetterumschwung aus. Demnach soll die südliche Westlage das gesamte EPS bis einschließlich Donnerstag bestimmen. Dies resultiert aus dem Verkrümmeln des Hochs Richtung Asien und der Übernahme des Wetterzepters durch atlantische Tiefs. Vom Nordatlantik bis nach Mitteleuropa kann sich tiefer Luftdruck ausbreiten. Dabei wird die Kaltluft weitgehend nordostwärts aus dem Land geschoben. Stattdessen kann von Westen oder Südwesten mildere Atlantikluft einfließen. Das macht sich auch bei den Temperaturen bemerkbar, sodass die Werte in 850 hPa von Dienstag bis Donnerstag zwischen -1 und +4 Grad liegen sollen. Mit dem Tiefdruckeinfluss werden von Westen wiederholt auch okkludierte Frontensysteme ins Land geführt. Durch frontogenetische Hebung und etwas PVA durch Kurzwellentröge werden ausreichend Hebungsimpulse generiert, sodass vor allem im Umfeld der Okklusionen Niederschläge zu erwarten sind. Der erste Schwung wird ab dienstagfrüh von Südwesten erwartet. Dieser schwächt sich aber auf dem Weg nach Nordosten ab. Dennoch können in der Nacht zum Mittwoch die Reste den Norden und Nordosten erreichen. Aufgrund des Profils sollten die Niederschläge meist in der flüssigen Form niedergehen. Da die Niederschläge nachts in den Nordosten ziehen und auch der Boden bis etwa 20 cm Tiefe noch Frost aufweist, muss dort mit Glätte, teils auch mit Glatteis gerechnet werden. Ansonsten ist auf Basis der Milderung allenfalls lokal begrenzt in Senken und Tälern vielleicht noch vorübergehender gefrierender Regen nicht ausgeschlossen. Während man im Mittelgebirgsraum bzw. Teilen Mitteldeutschlands mit einer gelben Glätte-Grundwarnung recht gut ausgestellt wäre, muss im Nordosten evtl. auch im Südosten über eine frühzeitige markante Glatteiswarnung nachgedacht werden. Sollten die Mengen der gefrierenden Niederschläge stärker als erwartet ausfallen, müsste man im Nowcasting die rote Karte auspacken. Neben potentiellen Glättewarnungen wären in der Nacht zum Mittwoch im Nordosten und Südosten auch noch gelbe Frostwarnungen auszugeben. In der Nacht zum Mittwoch kommt im Südwesten dann auch gleich der zweite Schwung, teils kräftiger Niederschläge ins Land. Und wieder zeigt sich ein okkludierter Frontenzug dafür verantwortlich. Diese Niederschläge erreichen voraussichtlich Mittwochabend den Nordosten und würden wohl nur noch im Umfeld von rügen und Usedom noch punktuell Glätte oder Glatteis hervorrufen. Zusammen mit dem dritten okkludierten Frontenzug in der Nacht zum Donnerstag sowie Donnerstag samt kräftiger Niederschläge kommt der Dauerregen sowie im Bergland auch das Tauwetter in den Fokus. Im Schwarzwald sind oberhalb von 800 m noch 15 bis 30, lokal bis 50 cm und in den zentralen und östlichen Mittelgebirgen oberhalb von 500 bis 600 m noch 10 bis 30 cm Schnee zu verzeichnen. Bei einem Anstieg der Schneefallgrenze auf teils 1500 m kommt also der schmelzende Schnee zu den fallenden Niederschlägen dazu. Innerhalb von 48 bis 60 Stunden sind demnach im Schwarzwald 30 bis 50, lokal bis 75 l/qm Abfluss relevante Mengen möglich. Im Rothaargebirge, Odenwald, Vogelsberg, Rhön Thüringer Wald und Harz werden gleichermaßen durch Regen und Schneeschmelze 30 bis 50 l/qm/48h möglich. Während im Schwarzwald über eine Unwetterwarnung vor Tauwetter nachgedacht werden kann, liegt das Niederschlagsdargebot in den Mittelgebirgen meist nur zusammen mit dem Schnee über der 30 bzw. 40 l/qm Schwelle. Zusätzlich zum Dauerregen/Tauwetter und Frost/Glätte/Glatteis spielt am Mittwoch auch der Wind wieder eine gewichtige Rolle. Die aufziehenden Frontenzüge mischen zusätzlich zu dem auflebenden Gradientwind teilweise auch noch winde aus größeren Höhen herunter. Während am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch allenfalls in den Hochlagen der südwestlichen und zentralen Mittelgebirge einzelne steife Böen auftreten, die wohl noch nicht warnwürdig sind, werden am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag in der südwesthälfte steife Böen (Bft 7) wahrscheinlich. Exponiert sowie allgemein im höheren Bergland sind dann auch stürmische Böen (Bft 8), in Gipfellagen von Schwarzwald, Bayerischem Wald und Weinbiet auch Sturmböen oder vereinzelte schwere Sturmböen (Bft 9-10) möglich. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC Mittwoch ... siehe oben sowie Frühübersicht Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Auch andere Global- und Regionalmodelle simulieren die Luftdruck- und Geopotentialverteilung vergleichbar zum IFS/ICON. Auch im Detail ergeben sich kaum nennenswerte Abweichungen. Allenfalls bei der Verlagerungsgeschwindigkeit der Frontenzüge und somit der Niederschlagsfelder gibt es winzige Unterschiede. Bei der Intensität der Niederschläge weist das ICON die höchsten Mengen aus. Gleichermaßen ist das deutsche Modell auch bei potentiellen gefrierenden Niederschlägen am Dienstag und Mittwoch etwas aggressiver als die anderen Modelle. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Lars Kirchhübel