SXEU31 DWAV 041800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 04.02.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Blocking dauert an: Kalt im Osten und Norden, mild im Westen und Süden. Ab der kommenden Nacht bis voraussichtlich in den Freitag hinein im Osten, später auch im Nordosten immer wieder gebietsweise gefrierender Regen mit Glatteis, dabei auch Unwetter möglich. Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... steht nach wie vor der blockierenden, vom Nordmeer über Skandinavien bis nach Ost- und Südosteuropa reichenden und als Gesamtgebilde quasistationäre Hochdruckzone (Schwerpunkt: Hochdruckgebiet "DANIEL", das inzwischen über dem Südwesten Russlands angelangt ist) ein umfangreicher Tiefdruckkomplex entgegen, der quasi den gesamten mittleren Nord- sowie den Ostatlantik, weite Teile West- und Südwesteuropas überdeckt und von dort aus inzwischen bis in den zentralen Mittelmeerraum reicht. Darin eingebettet, befindet sich das zentralsteuernde Tief "ROMINA" über dem Seegebiet südwestlich von Irland und zeigt in den kommenden 24 bis 48 Stunden nur wenig Verlagerungstendenzen. Entsprechend ändert sich auch hierzulande an der Temperaturzweiteilung vorerst nur wenig: In den Osten und Norden gelangt an der Südwestflanke des Hochs von Osten her weiterhin bodennah kalte Festlandsluft mit verbreitetem Dauerfrost (-6 bis 0 Grad als Tmax), während der Westen und Süden des Landes im Einflussbereich der etwas milderen Luftmasse ehemals atlantischen Ursprungs befinden. Diese konnte in der vergangenen, teils gering bewölkten Nacht im Süden und vor allem im Südosten ordentlich auskühlen, und nachdem sich insbesondere entlang sowie südlich der Donau teils beständige Nebel- und Hochnebelfelder ausgebildet haben, gibt es auch dort stellenweise Dauerfrost. Ansonsten erreichten die Maxima heute im Westen und Süden sowie in Teilen der Mitte (in etwa entlang und südlich einer Linie südliches Emsland über Ostwestfalen, Thüringen bis nach Ostsachsen) meistens Werte zwischen 1 und 6 Grad, im Lee einiger Mittelgebirge bis 9 Grad, in Teilen von NRW - dort hat es bei strahlendem Sonnenschein recht großflächig für quasi trockenadiabatische Durchmischung gereicht - sogar frühlingshafte 10 bis 13 Grad. Mit der Stationarität der Druck- und Geopotenzialgebilde halten sich auch dynamische Hebungsprozesse zumindest über Mitteleuropa sehr in Grenzen. Insgesamt dominiert aber über dem Vorhersagegebiet großflächig WLA, die sich mit Vorstoß eines markanten Kurzwellentroges über Italien samt korrespondierenden 990 hPa-Bodentief zur nördlichen Adria von Süden her noch verstärkt. Dabei wirkt ein aus einem nach Frankreich reichenden Randtrog herauslaufender, vor allem in der unteren und mittleren Troposphäre ausgeprägter kurzwelliger Troganteil, der sich im Laufe der Nacht quer über Deutschland hinweg langsam nordwärts bewegt, noch etwas unterstützend. Somit ist die sich nach Abzug der letzten, an eine sich inzwischen weitgehend aufgelöste Tiefdruckrinne gekoppelten Niederschläge eingestellte Wetterberuhigung nur vorübergehender Natur. Bereits aktuell fällt im Sattelitenbild der großflächige Wolkenschirm an der Nordflanke des Italientroges bzw. -tiefs ins Auge, der von Tschechien her bzw. aus den Alpen heraus auf den Süden und die Mitte des Landes übergegriffen ist. Die "unruhige" Oberflächenstruktur des Schirms lässt zudem auf einen erhöhten Eintrag von Saharastaub schließen. Der aktuell noch wirksame, von Südosteuropa bis in den Nordosten des Landes reichende flache Höhenkeil wird im Laufe der Nacht nach Norden abgedrängt und mit Annäherung einerseits des Troges über Italien, andererseits aber auch des Troganteiles über Süddeutschland kommt nun doch durch Aufgleiten nieder- und mitteltroposphärisch wärmerer Luft von Südosten her verstärkt dynamischer Hebungsantrieb ins Spiel. Die Folge sind leichte Niederschläge, die in Kürze bereits im Böhmischen Becken einsetzen dürften, sich dann aber bereits in der ersten Nachthälfte rasch auf Teile von Sachsen, auf Brandenburg und Teile von Sachsen-Anhalt ausweiten, im weiteren Verlauf dann nach Norden und etwas nach Westen vorankommen, wobei sie sich vor allem über dem Osten Brandenburgs etwas intensivieren und dort regional auch um 5 l/m² in 6 Stunden zusammenkommen können. Mit der nun auch niedertroposphärisch sich etwas verstärkenden WLA steigt die Temperatur vor allem im Osten von Sachsen und Brandenburg auf Werte um oder knapp über 0 Grad, die Progosetemps zeigen dort auch die klassischen "warmen Nasen". Somit dürfte in den Regionen nach hier und da noch anfänglichem Schneefall die flüssige Niederschlagsphase überwiegen und entsprechend muss bei leichtem, nach Norden zu gebietsweise auch mäßigem Frost von gefrierenden Regen ausgegangen werden. Den größten Unsicherheitsfaktor stellt dabei in der Nacht zunächst die Intensität der Niederschläge da. Diese schwanken nicht nur von Modell zu Modell, sondern auch von Lauf zu Lauf noch ein wenig. Der aktuelle I-D2-Lauf hat die Mengen gegenüber den zwei/drei letzten Vorläufen wieder etwas aufgestockt, SuperHD simuliert noch etwas höhere Mengen, insgesamt können aber vor allem im Nordosten Sachsens sowie im Süden und Osten Brandenburgs in 6 bis 8 Stunden 1 bis 5 l/m² als gefrierender Regen zusammenkommen. Somit wären die Kriterien für eine Unwetterwarnung vor Glatteis auf jeden Fall erfüllt und entsprechend läuft auch eine Vorabinformation. Nach Westen und Norden zu - die Niederschläge breiten sich im Laufe der Nacht bis nach Vorpommern sowie auf ganz Sachsen-Anhalt und auch bis ins östliche und mittlere, eventuell auch südliche Niedersachsen und Ostwestfalen aus - dürfte die Kaltluft so mächtig sein, dass insgesamt die feste Phase überwiegt und höchstens stellenweise gefrierender Regen fällt. Als Schnee kommen aber meist nur wenige Zentimeter zusammen, ganz vereinzelt können es 5 cm sein. Unsicher ist auch, ob bereits im laufe der zweiten Nachthälfte aus den Alpen heraus leichte Niederschläge auf Teile des Alpenvorlandes übergreifen. Wenn das der Fall sein sollte, kann es auch dort Glatteis geben (allerdings nur kleinräumig und markant) meist bleibt es aber trocken. Im Rest des Landes verläuft die Nacht wettertechnisch ruhig. Auch über dem heute tagsüber teils sonnigen NRW ziehen zunehmend dichte hohe und mittelhohe Wolkenfelder hinweg, in Norddeutschland hält sich die dichte hochnebelartige Bewölkung, ebenso bleibt es in einigen Regionen Süddeutschland trüb. In vielen Niederungen West- und Südwestdeutschlands verläuft die Nacht frostfrei, auch sonst gibt es einige Regionen, wo es nicht für Frost reicht (z.B. Teile Unter- und Mittelfrankens). Im großen Rest gibt es aber leichten, im Nordosten auch mäßigen Frost. An den Küsten weht weiterhin lebhafter Ostwind mit steifen, exponiert auch vereinzelten stürmischen Böen. Donnerstag ... arbeitet sich der flache, nach wie vor am ehesten in der unteren Troposphäre auszumachende Trog über Norddeutschland hinweg langsam Richtung Dänemark und westliche Ostsee vor. Dahinter stellt sich eine flaue südliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet ein, die über Westdeutschland im Bereich eines weiteren, ebenfalls nur flachen Randtroges leicht zyklonal konturiert ist. Das Bodentief über der nördlichen Adria zieht langsam nach Venetien und beginnt sich allmählich aufzufüllen und übt keinen relevanten Einfluss mehr auf die Wetterentwicklung hierzulande aus. Die Niederschläge über dem Norden und Osten Deutschlands ziehen somit nordwärts ab, allerdings können sich die leichten Niederschläge über Südbayern ein wenig verstärken und ziehen ebenfalls Richtung Norden. Sie erfassen vormittags Ostbayern und nachmittags dann erneut Teile der Osthälfte Deutschlands. Insgesamt ziehen sie nach Lesart der vorliegenden Modelle auf einet etwas westlicheren Zugbahn nordwärts als die nächtlichen Niederschläge, auch deren Phase ist noch unklar, bei anhaltender WLA dürfte aber meist die flüssige überwiegen. Zunächst einmal ziehen die nächtlichen Niederschläge vormittags über Nordbrandenburg und Vorpommern nordwärts. Auch dort dürfte nach Osten zu alsbald die flüssige Phase überwiegen, so dass die Vorabinformation vor Glatteis inzwischen bis in den Südosten Vorpommerns ausgeweitet wurde. Nach Westen zu und wohl auch im Norden Vorpommerns fällt Schnee, meist weniger, im Nordosten Vorpommerns, nach Lesart anderer Modelle, die auf IFS basieren (IFS simuliert auch weiter westlich etwas höhere Mengen) auch entlang der gesamten vorpommerschen Küste bis zur Lübecker Bucht auch mehr als 5 cm bis zum Abend. Der von Süden her aufziehende zweite "Niederschlagsschub" dürfte in Süd- und Ostbayern meist als Regen fallen, eventuell reicht es dann für wohl lediglich mit markant zu bewarnende Glätte, vielerorts steigen die Temperaturen aber auch rasch schon in den unkritischen Bereich. Weiter nördlich ist die Phase nach wie vor unsicher. Vor allem ab dem Thüringer Becken und der Leipziger Tieflandbucht herrscht weiterhin Dauerfrost, und insbesondere in Sachsen-Anhalt sowie im Westen Brandenburgs bis nach Mecklenburg, nach Lesart einiger Modelle sogar noch im östlichen Niedersachsen wird mit teilweise vorhandenen "warmen Nasen" in den Prognosetemps vielfach wieder die flüssige Phase simuliert. Die Mengen sind nach wie vor unsicher (meist maximal wenige l/m², einige Modelle haben aber um 5l/m² auf der Agenda), dennoch kann erneut Unwetter-Glatteis nicht ausgeschlossen werden. Im Rest des Landes passiert wettertechnisch dagegen nach wie vor nicht viel. Mit dem flachen Trog über Westdeutschland kann es dort einzelne kurze Regenschauer geben, sonst bleibt es trocken und vor allem im Südwesten und an den Alpen zeigt sich im Tagesverlauf auch häufiger die Sonne. Die Dauerfrostgrenze verschiebt sich weiterhin kaum, etwa vom südlichen Emsland bis zur Lausitz und weiter nördlich bleibt es bei leichtem Dauerfrost. Sonst erreichen die Maxima Werte zwischen 1 und 7 Grad, mit Sonnenschein im Südwesten sowie im südlichen Alpenvorland teilweise bis knapp über 10 Grad. Der lebhafte Ostwind flaut an den Küsten mit langsam auffächernden Gradienten allmählich ab und dürfte später nicht mehr warnrelevant sein. In der Nacht zum Freitag kommen die Niederschläge über der Osthälfte nordwärts voran und können sich mit Übergreifen des flachen Randtroges von West- nach Norddeutschland sogar noch ein wenig intensivieren. Die Phase ist nach wie vor unklar, Schnee und gefrierender Regen, beides ist möglich, bei der gefrierenden Phase bleibt die Unwettergefahr vor allem vom nördlichen Sachsen-Anhalt und Nordbrandenburg bis nach Mecklenburg oder gar Ostholstein hoch. Gebietsweise kann es aber auch kräftiger schneien mit mehr als 5 cm in weniger als sechs Stunden, am ehesten Richtung Ostsee. Derweil greift ein weiterer Randtrog im Laufe der Nacht von der Biskaya auf Frankreich über. Im Vorfeld kommt eine flache Tiefdruckrinne samt eingebetteter Okklusion in den Frühstunden bis nach Nord- und Ostfrankreich voran. Präfrontal kann es im äußersten Südwesten morgens eventuell etwas regnen. Ansonsten bleibt es aber trocken, allerdings nur gebietsweise aufgelockert bewölkt, am ehesten im Westen und Süden. In einigen Niederungen im Westen und Südwesten, aber teilweise auch in der Mitte bleibt es frostfrei, sonst gibt es überwiegende leichten Frost und gebietsweise Glätte durch Überfrieren. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC Freitag ... gelten weiterhin die Aussagen in der Frühübersicht. Die aktuellen Modellläufe bringen keine neuen Erkenntnisse, nach wie vor spricht alles dafür, dass sich die Glatteislage im Nordosten bis zum Mittag zumindest vorübergehend deutlich entspannt. Auch die neuen Niederschläge von Südwesten her dürften erst in der Nacht zum Samstag wieder bzgl. Glatteis kritisch werden. Zwar sickert die mildere Luftmasse langsam auch in den Nordosten des Landes, aber die aktuellen MOSMIX-Prognosen (überwiegend kein Dauerfrost mehr) erscheinen etwas zu hoch, so schnell lässt sich die Kaltluft erfahrungsgemäß nicht verdrängen. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Der Teufel liegt im Detail - das gilt insbesondere bzgl. der Glatteissituation ab der kommenden Nacht bis Freitagvormittag. Die Modelle unterscheiden sich nur wenig bzgl. der räumlichen Verteilung und Intensität der Niederschläge. Ebenso ist deren Phase noch unsicher. Grade das macht das Erstellen einer Vorabinformation und auch deren "Scharfschaltung" aber so mühsam: Es macht warntechnisch einen Riesenunterschied, ob simulierte 2 l/m² als Schnee oder als Regen fallen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Winninghoff